Setzt dem Unfug von DHV-Präsident Kempen ein Ende! (08. Dezember 2009)
Nachdem Prof. Bernhardt Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), sich bereits in der letzten Woche mit dem „Bundesweiten Bildungsstreik“ solidarisiert hatte und die Professoren als Betroffene des Bologna-Prozesses heroisierte, legt er nun in einem Spiegel-Interview nach: Die Professoren wären durch die Politik zu Akkreditierungsprozessen gezwungen worden und hätten somit keine andere Wahl gehabt, als die Studiengänge bis zur Unstudierbarkeit zu verschulen.
Nachdem die Professoren jahrelang in den Akkreditierungsverfahren den Ton angegeben haben und die Studiengänge mit Inhalten und vor allem mit Prüfungen vollgestopft haben, kommt Kempen nun plötzlich zur Erkenntnis, dass Qualitätssicherung durch Akkreditierung Nonsens sei und ruft zum Boykott der Professoren auf. „Diese Äußerungen schlagen dem Fass den Boden aus. Herr Kempen rechtfertigt die Renitenz vieler Professoren durch deren eigenes Versagen“, meint Johannes Knewitz, Vorsitzender des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen. „Die Professoren hatten wie es viele gute Studienordnungen beweisen genug Spielraum, den gröbsten Unfug zu verhindern. Das haben sie allerdings oft nicht getan, weder in den Akkreditierungsprozessen, noch in den entsprechenden Kommissionen und Gremien!“
Dem DHV geht es offensichtlich weder um die Qualität des Studiums, noch um die Interessen der Studierenden. Vielmehr passt es ihm nicht, dass die Belastung der Professoren in der Lehre gestiegen ist und die Qualitätssicherung endlich Lehrverweigerung und überkommene Privilegien offenlegt. Knewitz: „Jahrzehnte nach dem Ende der Ordinarienuniversität müssen sich Professoren endlich für ihre Lehre umfassend verantworten. Da werden Mängel offenbar, die jahrelang unter dem Mantel der akademischen Freiheiten gut versteckt blieben – nur die Studierenden konnten ein Lied davon singen. Die Professoren aber waren unantastbar. Diesen Zustand möchte der DHV offenbar wieder herstellen.“
„Ich verstehe nicht, wie der DHV sich das vorstellt“, konstatiert Katrin Helling, Stellvertretende Bundesvorsitzende. „Es ist doch mit absolutem Chaos zu rechnen, wenn man jetzt die Akkreditierung abschafft. Dass die Professoren nun mit den Studenten universitäre Qualitätssicherung umsetzen wollen, ist doch eine Farce! Vor Beginn der Akkreditierung waren Qualitätssicherung, leistungsbezogene Besoldung und die Studierendenbezogene Konzeption der Lehre für den DHV noch Teufels-zeug. Jeglicher Spielraum wurde für mehr Forschung und weniger Lehre genutzt.“
Die große Zahl ambitionierter Wissenschaftler in Deutschland, die sich für innovative Studienordnungen und gute Lehre einsetzen, fordert Knewitz auf: „Setzen Sie dem Unfug von Prof. Kempen ein Ende. Bekennen Sie sich zu Leistung, Verantwortung und den entsprechenden Strukturen!“

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