Bundesverband der Liberalen Hochschulgruppen

 2. September 2010

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Professoren sollten sich in Selbstreflexion statt in Populismus üben! (04. Dezember 2009)

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat heute seine Mitglieder aufgerufen, die am 10. Dezember stattfindenden Vorlesungen und Seminare zu verschieben, damit die Studierenden an vom sogenannten „Bundesweiten Bildungsstreik“ organisierten Protesten gegen die Kultus-ministerkonferenz teilnehmen können. Im gleichen Atemzug stellt der Vorsitzende des DHV, Prof. Dr. Kempen, Studierenden und Professoren auf eine Ebene als Leidtragende des Bologna-Prozesses. Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) kritisiert diesen unsäglichen Populismus aufs Schärfste.

„Waren es nicht maßgeblich die Professoren, die in den Hochschulgremien alte Studienordnungen renitent in neue Studienformen gepresst haben?“, fragt Johannes Knewitz, Vorsitzender des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen. „Nachdem eine große Zahl von Professoren die Reform zu-nächst aussitzen wollte, musste dann plötzlich alles ganz schnell gehen: Ohne über neue Lehrmethoden und ein studierendenfreundliches sowie das selbstständige Lernen förderndes Moduldesign auch nur nachzudenken, wurden vielerorts die althergebrachten Methoden und Inhalte recycelt. Oftmals wurden dabei die Argumente der Studierendenvertreter vom Tisch gewischt oder selbige in den Gremien einfach überstimmt.“

DHV-Chef Kempen schiebt kaltschnäuzig die alleinige Verantwortung auf die Politik und seinen persönlichen Lieblingsgegner, die Hochschulrektorenkonferenz. Dass sich der Hochschulverband allerdings hier uneingeschränkt mit dem „Deutschen Bildungsstreik“ solidarisiert ohne auch nur darauf hinzuweisen, dass unter diesem Deckmantel oftmals Chaoten und Linksradikale aktiv sind, schlägt dem Fass den Boden aus. Der LHG hat erst kürzlich auf die konkreten Probleme, die die Bildungsstreiker an den einzelnen Hochschulen verursachen, hingewiesen.

„Das größte Leid was sie zu tragen haben ist für manche Professoren, dass es heutzutage auffällt, wenn sie ihre Sprechstunden nicht wahrnehmen oder sie freitags von acht bis zehn statt Mittwochs von zwei bis vier Uhr ihre Lehrveranstaltungen halten müssen. Mir ist zumindest kein Professor bekannt, der sich wegen der Prüfungsbelastung und der massiven Workload in den Bachelor-Studiengängen in psychologische Behandlung begeben musste“, so Katrin Helling, Stellvertretende Bundesvorsitzende.

„Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen plädiert dafür, dass die Professoren in den akademischen Gremien die Kritik der Studierendenvertreter an den einzelnen Studiengängen ernst nehmen und auf ihre Kollegen einwirken um ein grundsätzliches Umdenken in der universitären Lehre zu erreichen. Die Verschulung der Studiengänge wurde nicht von der Politik verordnet, sie ist hausgemacht“, erläutert Helling.

„Der Deutsche Hochschulverband sollte einige seiner Positionen dringend überdenken und seinen Beitrag leisten, anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Insbesondere gehören dazu auch die Ablehnung einer verstärkt leistungsorientierten Besoldung der Professoren sowie der Kampf gegen die in einigen Bereichen durchaus nützliche Lehrprofessur und gegen eine intensivere Evaluation von Lehrveranstaltungen. Hier wird offensichtlich oftmals der „Grundsatz der Freiheit von Forschung und Lehre“ mit der „Befreiung von Lehre“ verwechselt“, konstatiert Knewitz abschließend.

 

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